Gottes Geist leitet Jesus.
Er erfüllt ihn ganz.
Er führt ihn zu den Menschen.

Wer ist Jesus von Nazaret?
Was hat er mit Gott zu tun?
Und was soll dieses – zunächst –
widerwillig gewirkte Wein-Wunder?

Gebet und Taufe sind lebendige Einheit:
Lukas zeigt Jesus als Betenden.
Auch die Jüngerinnen und Jünger
hat Jesus das Beten gelehrt.

Meine Freude als Kind
über den kleinen roten Kalender –
glänzend, neu,
voller Erwartung!

Den Hirten kam es schon zu Ohren
– noch ist es Traum und fern –
verhüllt in federleichtem Licht.

 Ihr werdet ... Freudensprünge machen,
wie Kälber, die aus dem Stall kommen.
So verheißt der Prophet Maleachi
den Aufgang der Sonne der Gerechtigkeit
am Ende der Zeit.

Wer zwei Gewänder hat,
gebe eines davon dem,
der keines hat,
und wer zu essen hat,
der handle ebenso.

Winterlich,
windig, wechselhaft,
weithin wüstes Wetter.
Kälte, Erstarrung –
die öde Zeit beginnt.

Das Kirchenjahr beginnt:
nicht mit Betriebsamkeit,
nicht mit rauschenden Festen,
nicht mit knallenden Sektkorken.

Die Nacht der Auferstehung Christi
„beugt die Imperien“,
so heißt es
im österlichen Exsultet.

Wenn der Feigenbaum sein Laub verliert,
lassen die neuen Blätter lang auf sich warten.
Aber dann, im April, ist in Jesu Heimat
der Frühling unumkehrbar da!

Jesus stellt Gewohntes infrage.
Wer kann da noch folgen?
Wer kann das ertragen?
Wer kann da mithalten?
Wer kann da noch in den Himmel kommen?

Gott wird nicht geliebt,
wo der Nächste nicht geliebt wird.

Bartimäus: blind, Außenseiter, Habenichts.
Hilflos in einer nur für Sehende hellen Welt.
Hell und heil ist für ihn gar nichts.
Und doch ist der an den Rand Gedrängte
einzigartig hellsichtig.

Trostreich ist diese Botschaft
in Zeiten der Selbstoptimierung:
immer leistungsfähig, lächelnd,
mit aller Gewalt ganz oben!

Lebendig, kraftvoll, schärfer
Was hält mich wach
und lebendig?
Was verbindet mich mit mir selbst?
Was stärkt und kräftigt mich?
Was lässt mich klarer erkennen,
tiefer blicken, schärfer sehen?

Gegen alle Klischees:
in Gottes Schöpfungsordnung
ist nicht Über- oder Unterordnung,
sondern der Ebenbürtigkeit
Grund gelegt!

Führ unsre Schritte auf Friedenswegen
Weis uns den Weg durch die Dunkelheit,
Weis uns den Weg durch die Einsamkeit,
Weis uns den Weg zum aufstrahlenden Licht,
Weis uns den Weg zu Gottes Gesicht.

Weis uns den Weg zum Fremden im Schatten,
Weis uns den Weg zu den Müden und Satten,
Führ unsre Schritte auf Friedenswegen,
Führ uns zum Frieden und schenk deinen Segen.

 

Dorothee Sandherr-Klemp (Friedensgebet im Geist des hl. Niklaus von Flüe)
aus: Magnificat. Das Stundenbuch, 09/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

Kleine Leute!
Ein gerüttelt Maß Geringschätzung
schwingt mit, wenn Menschen als
„kleine Leute“ bezeichnet werden.

Wenn ein Bruder oder eine Schwester
ohne Kleidung ist
– wir können schließlich nicht allen helfen –

„Ich kann das nicht mehr hören!“
„Mir bleibt das Wort im Halse stecken!“

Wie wichtig ist es für Gott,
dass wir uns
an die Vorschriften halten,
die unsere Glaubensgemeinschaft
aufgestellt hat?

Eine alte Erfahrung:
nicht alle bleiben dabei,
wenn der Überschwang
des Anfangs verfliegt.

Üppig will die Weisheit geben,
keinesfalls kleinlich!
Die Fülle ihrer Gaben
will sie verschenken!

Er könnte ihn auskosten,
seinen Triumph:
der Baalskult – blamiert, geschwächt!

Die Speisung der Fünftausend:
als einziges Wunder Jesu
wird sie in allen Evangelien erzählt!

Ablehnung, Abwertung,
abweichende Milieus,
Barrieren, deutliche Differenzen:
in der Antike standen sich
jüdische und hellenistische Welt
fremd gegenüber,
auch in den christlichen Gemeinden.

Ich bin nicht mutig.
Ich staune, wenn Menschen aufstehen,
wenn sie sich aufmachen
aus dem sicheren Gehäuse
ihres Seins.

Massives Misstrauen
erlebt er am eigenen Leib:
Jesus erfährt, was es heißt,
abgestempelt zu sein!

Während die Tochter des Jaïrus aufwuchs,
zehrten die Blutungen die kranke Frau auf.
Die eine entfaltete sich, blühte auf,
das Leben der anderen verflüchtigte sich.

Das mächtige Meer:
bei Gott
wird es zum kleinen Kind.

Selbstoptimierung ist angesagt.
Deshalb wird dieses Bibelwort
nur noch ironisch zitiert:
Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.
Unser Mantra dagegen: Streng dich an!

Der ist doch nicht bei sich,
der ist nicht mehr er selbst!
– Hier wird der Auftrag Jesu
ganz grundsätzlich
infrage gestellt:
von der eigenen Familie.

Gottes Geist, den er ausgießt
über seine Töchter und Söhne,
erneuert und befreit,
schenkt eine andere Weisheit,
eine andere Weise zu sein!

Wasser des Lebens:
kühl, belebend, hell,
schimmernd, leuchtend blau,
dynamisch oder still,
sacht bewegt
von einem Windhauch.

Jesus ist gekommen,
damit die Menschen
den Vater erkennen,
ihn in den Blick bekommen,
ihren Blick öffnen,
grundlegend weiten – für ihn.

Liebe, die nicht einengt,
die nichts und niemanden
ausschließt.
Liebe, die kein Strohfeuer ist.

Weinberge,
weitverbreitet
im alten Israel.
Gefährdung und Gedeihen
der Reben waren
alltägliche Erfahrung.

Lieber selbst sterben,
als die Behüteten
dem Tod ausliefern:
einige Menschen
haben so gelebt.

Doch weder Heldenmut
noch Heldenkult sind hier gefragt.
Auch Jesu Haltung ist kein Kraftakt,
kein Gewaltakt,
keine heldenhafte Höchstleistung.

Sie zeigt die uns zugewandte Seite
seiner Beziehung zum bergenden Vater:
So, wie sich Jesus
von Gott getragen weiß,
so trägt er seine Herde.

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Lk 24,35-48)
aus: Magnificat. Das Stundenbuch, 04/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

Obwohl die Emmausjünger
dem Kreis der Elf
von ihrem Erlebnis berichtet hatten,
erschrecken diese,
als Jesus erscheint.

Kennen Sie das vielleicht auch?
Alle sind begeistert
und hängen dem Vortragenden
an den Lippen.
Doch ich verstehe nur Bahnhof.

Wer die Botschaft versteht,
wird sie überall entdecken –
auch auf Friedhöfen.

Wie einen roten Teppich,
so legen die Menschen
ihre Kleider auf den Weg,
den Jesus nehmen wird.

Steinerne Tafeln sind nützlich,
Regeln häufig hilfreich,
Weisungen oft weise.

Unsere Leistungen,
unsere erstrebten Erfolge,
unsere atemlosen Anstrengungen,
unser beinhartes Bemühen,

Fromme Cliquen,
frömmelnde Claqueure,
Abwertung anderer,
Abgrenzung, Ausgrenzung:
in Korinth und anderswo.

Das flüchtige Glück, das Gipfelglück –
wer könnte es nicht fühlen:
gemeinsam erfahrene Freude,
gemeinsam erblicktes Licht!
Doch es lässt sich nicht festhalten –
einmauern geht nicht.

Die Vergangenheit,
sie birgt nicht nur Gutes.
Wer sich erinnert,
stößt auf Untätigkeit und Untaten,
auf eigene und fremde Schuld.
Scham und Groll sind die Folgen.

Aussatz – Quarantäne auf Lebenszeit.
Aussatz – Hinauswurf ohne Verabschiedung.
Aussatz – Abschied vom Leben.
Aussatz – nie mehr in Gemeinschaft, nie mehr unbeschwert!

Jesus – sein Name bedeutet: „Gott ist Rettung“:
Rettung für die Schwiegermutter des Petrus,
Rettung für die vielen, die Hilfe und Heilung erhoffen,
Rettung für die von Schmerz und Krankheit Getroffenen,
Rettung für die von innerer Verwundung Betroffenen.

An einem Sabbat
zeigt sich Jesu Macht zum ersten Mal.
Der Sabbat ist wie ein Schlüssel
zu Gott- und Selbstvertrauen Jesu.

Eine gewaltige Aufgabe
für Jona, den Propheten:
die gewalttätige Metropole
soll er zur Gewaltlosigkeit bekehren,
zu Abkehr von Gier und Herzenshärte.

Wer ruft?
Wer hört?
Wer sucht?
Wer findet?

„Was fällt, das sollst du stoßen“:
ein böses Wort,
zugleich gängige Praxis,
ohne allzu böse Absicht.

Von Anfang an
ist der Mensch
angewiesen, bedürftig, verletzlich.

Gotteskrieger
sind bei uns
in Misskredit geraten:
zu Recht!

Stockender Atem.
Furcht ohnegleichen.
Erstarren. Erbleichen.

Fremde Rede wie Rauschen.
Hören ohne zu vernehmen.

Sich freuen.
Freude öffnet und bewegt.
Freude bleibt nicht bei sich.
Freude teilt sich mit.

Löscht den Geist nicht aus.

Die Gesichter der Wartenden –
genervt, gelangweilt,
angespannt,
matt, müde, leer.

Was erwarte ich?
Was erwartet mich?

Zum Beginn des Kirchenjahres
knallen die Korken nicht.

„Könige kennen Kinder aus Märchen.
Könige haben märchenhafte Macht:
Pracht, Prunk und Reichtum
stehen ihnen zu.

„Eine halbe Stunde
dürft ihr noch spielen,
dann geht’s ins Bett!“

Jesus erzählt die Geschichte
von zehn jungen Frauen,
berufen,
bei einer Hochzeit
den Bräutigam zu begrüßen.

Rangfragen
haben Menschen
schon immer beschäftigt.

Eine russische Legende erzählt,
wie Sankt Nikolaus einst
ein Treffen mit Gott versäumte,
um einem im Schlamm steckenden Bauern
und seinem Gespann zu helfen.

Gebt dem Kaiser,
was des Kaisers ist …
Ein Wort, das bei uns
zum geflügelten Wort wurde.

Königliche Hochzeit –
ein Mega-Event!
Wer würde die Einladung
schon ausschlagen!

Die faulen und brutalen Pächter,
die alle Boten des Besitzers töten,
schockieren auch Hartgesottene.

Wahrlich keine Autobahn,
auch keine Schnellstraße,
auffallend wenig befahren –
der Weg der Gerechtigkeit!

Der Verdienst:
wichtiger Maßstab der Selbst-
und Fremdeinschätzung
– fast überall gültig!

Wie du mir, so ich dir.
Eine brauchbare Regel –
vergleichsweise nützlich,
so scheint es.

Das Kleid des Neubeginns leuchtet.
In der Taufe ist allen
ein Neuanfang geschenkt!

Auf der Rückbank eines Taxis
weint es sich leichter als in der U-Bahn.
Und Reiche leben, statistisch gesehen,
auch deutlich länger als Arme.

Ihn, Simon Petrus,
der klaren Vorrang
unter den Jüngern hat,
ihn – einen der ersten Zeugen

Ist das unser Jesus?
Einer, der in den Grenzen
damaliger Dogmatik denkt,

Gefährlicher Gegenwind,
bedrohliche Wogen,
Sturmböen,

Die Zeichen des Todes.
Sie kommen näher.
Jesus sieht sie.
Jesus erkennt sie.

Lässt sich der Kaufmann
nicht eigentlich blenden,
vom schimmernden Schein,

Wie gehen wir mit dem Bösen um?
Jesus stellt diese Grundsatzfrage.

Gleichnisse: in ihrem Reichtum
ähneln sie Bildern und Träumen.
Vielfältiges bringen sie,
Vielfältiges schwingt
in ihnen mit.

In Jesu Zuneigung
und in Jesu Erbarmen
entdecken die Kleinen
den großen Gott.

Radikale Risse!
Sie durchziehen auch die Familien,
deren Bedeutung im Orient
besonders groß ist!

Fürchtet euch – oder
fürchtet euch nicht!
Was gilt denn nun?
Unentschieden gilt nicht!

Jesus kann nicht wegschauen.
Was Jesus sieht,
zerreißt ihm das Herz.
Es ist zum Gotterbarmen.

Im Johannesevangelium meint Welt
die Menschheit, die Mächtigen,
in ihrer bodenlosen Angst
um sich selbst.

Pfingsten ist Ostern!
Pfingsten ist kein eigenes,
abgeschlossenes Ereignis,

Jesus betet.
In diesem längsten Gebet,
das wir von ihm kennen,
zeigt sich seine ganze Größe
und seine Herrlichkeit.

Ein Testament
regelt Nachlässe,
klärt Erbschaften,
gibt Klarheit und Halt.

In den großen Städten
ist Wohnraum Mangelware,
Spielball von Spekulationen.
Wer eine Wohnung hat,
gibt sie nicht mehr her.

Im Orient hat dieses Wort-Bild
einen guten, einen hellen Klang:

Was tun?
Zurückkehren?
Den alten Beruf aufnehmen?
Der Erfolg bleibt aus!

Vor Marter und Tod
hat Jesus ihn
seinen Freunden verheißen:
den Geist der Wahrheit!

Die beiden Marien:
Frühmorgens kommen sie
in Treue
zum Ort der Trauer.

Hosianna – ein Hilferuf,
der einst dem König galt:
„Hilf uns,

Wunderbares geschieht im Gespräch

Wunder des wachsenden Lichts
im lichten Lindgrün des Lenz:
Lengde – Verlängerung des Lichts.

Aus Samaria hört man nichts Gutes.
Rechtgläubig sind die jedenfalls nicht!
Und warum opfern die nicht im Tempel?

Abraham, der Gesegnete,
wird nicht nur gesegnet,
er soll selbst ein Segen sein:

Im Fasten erfahren wir viel über uns:

Ein Partisan tötet einen Soldaten.
Wie viele Geiseln müssen sterben,
um seinen Tod zu rächen?

Mattigkeit und Mutlosigkeit.
Gleichgültigkeit und Gewöhnung,
Unaufmerksamkeit und Unwillen,

Auf jeden kommt es an

Salz sein heißt,
sich einmischen:
Licht sein heißt, leuchten:

Begegnung

Fest der Begegnung:
ein schöner Name

Zum Rufen braucht es zwei:
ein Ich und ein Du.

Siehe, das ist mein Knecht,
den ich stütze;

Keck und zutraulich zugleich
sitzen Tauben auf ihren Schultern,

Türen öffnen

„Mors certa – hora incerta“,
sagt das lateinische Sprichwort.
Wir werden sterben – die Stunde kennen wir nicht.

Wenn möglich, bitte wenden

Was wollen wir sehen?

Josefs Sicht